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Thema: Edelstahl Antifouling Haftung

  1. #1
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    Standard Edelstahl Antifouling Haftung

    Guten Tag,
    nach 2 Jahren muss ich wieder den AF-Anstrich erneuern. Ich habe bei einem Tauchgang (Schraube putzen) festgestellt, daß am Ruderblatt kein AF mehr vorhanden war. Der Rumpf des Schiffes( Holz, GF beschichtet) ist durchweg frei von Bewuchs (Relest 522), abgesehen von den üblichen Wasserlinienpocken. Natürlich war das Ruderblatt voll mit Kolonien von Seepocken. Ich hatte das Ruderblatt geschliffen, mit PVC grundiert und dann Relest 522 gestrichen. Irgendwie scheint es mir ein Haftproblem mit VA zu geben. Was kann ich tun, um ähnliche Krantermine wie beim übrigen Bootsrumpf zu erreichen. Liegeplatz: Nähe Barcelona
    Vielen Dank im Vorraus Wailameer

  2. #2
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    Standard AW: Edelstahl Antifouling Haftung

    Hallo,
    wir haben bei den Ruderblättern einen höheren Antifoulingverbrauch als beim Unterwasserschiff. Daher bekommt das Ruder meist einen zusätzlichen Anstrich, wie der Wasserpass. Ein großes Problem ist aber die Feuchte in den Ruderblättern, da die in der Regel einen Holzkern haben. Feuchtewerte im Ruder von mehr als 30% sind da nicht ungewöhnlich, was das Risko zu Abplatzungen verstärkt. Ein zusätzlicher Anstrich könnte da hilfreich sein. Was die Seepocken betrifft, da gibt es keinen Schutz kein Biozid mehr das zulässig wäre, da hilft nicht einmal mehr E605. Die Ursache von verstärkten Seepockenbefall sind meist alte Muringleinen und Fender, da die Krebse nicht einfach schwimmen, sondern durch direkten Kontakt - Berührung übertragen werden. Z.B. ein Heckfender wäre eine Übertragung, oder lose Muringleinen die eine Berührung verursachen. Ansonsten haben wir Bereiche in den Sielhäfen wo nichts mehr funktioniert, mit Ausnahme ein Standortwechsel. Sollte ein Haftproblem bestehen, weil wir oft Reste von Silanen, Silikon, PTFE von vorherigen Antifoulings haben, da hilft nur die vollständige Beseitigung der Altanstriche. Was den Zustand verbessert, wenn das Ruder vor dem beschichten mit einer groben Stahlwolle und technischen Aceton abgerieben wird.
    Grüße Friedrich

  3. #3
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    Standard AW: Edelstahl Antifouling Haftung

    Vielen Dank Herr Friedrich für Ihre Antwort.
    In der Tat sind die Mooringleinen achtern festgemacht. Ich möchte den Punkt der Übertragung besser verstehen, er kommt nur durch Kontakt zustande? Ein möglicher Kontakt wäre kurzzeitig während des Festmachens möglich, denn sonst liegen die Leinen auf dem Hafengrund. Die Besiedlung der Seepocken war von den Ränder der Ruders und des Skegs zur Mitte hin. Im Gegensatz zu den Wasserlinienpocken, es waren wenige und leicht zu entfernen, war die Besiedlung auf den VA Ruderblatt (geschweißter Hohlkörper) sehr fest. Reicht ein kurzer Kontakt der Mooringleinen mit dem Ruderblatt für Übertragung dieser Viecher aus?
    Nochmals vielen Dank Wailameer

  4. #4
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    Standard AW: Edelstahl Antifouling Haftung

    Hallo Herr Wailameer,
    die Seepocken sind kleine Krebse die auf festen Untergrund ansiedeln. Bei Kontakt zemmentieren sich die Krebse mit dem Kopf am Untergrund fest. Da die Krebse keinen Kontakt mit dem Antifouling haben, sind die Biozide im Antifouling wirkungslos. Da Antifouling im Grunde eine unangenehme Oberfläche für den tierischen Bewuchs bilden, kann der Befall im Grunde nur noch ein wenig reduziert aber nicht verhindert werden. Dazu kommt, dass die Organismen von Entenmuscheln - Röhrenkalwürmern - Seepocken sogar gegen Toxide die nicht zugelassen sind, zunehmend resistent werden. Ich war mehrmals in Australien und da werden die Sepocken sogar mehrere cm groß und werden auch bei uns eingeschleppt. Z.B. In den Silhäfen wie Hamburg, Genua, Lagunen im Bereich von Venedig hilft im Grunde nur der Standortwechsel. In St.Georgino werden die Yachten nur nur noch eingefettet und kommen nach jeden Segeltörn aus dem Wasser. Besonders schlimm wird es bei steigenden Temperaturen. Z. B. in Kroatien haben wir Marinas, das werden die Abwässer grob gereinigt in die Marina eingeleitet. Wenn sich manchmal die Strömung ändert, kommt es zu einer extremen Nitratanreicherung, entsprechend vermehrt sich der Bewuchs. Mancher meint, dass das Antifouling wirkungsloser wurde, was nicht zutrifft. Oft genügt besonders bei Seepocken ein Standortwechsel von wenigen Metern, das erklärt warum z.B. der Nachbar keine Seepocken hat, was nicht am Antifouling liegt, sondern durch die Strömung im Wasser beeinflußt wird. Da Seepocken sich gegenseitig befruchten, genügt ein Abstand von 6-8 mm. Das ist auch der Grund warum sich Inseln bilden wo es dann zu hohen Konzentrationen kommt. Wenn die Krebse andocken, dann ist das zu erkennen wenn mit der flachen Hand leicht darüber gewischt wird. Dabei sind kleine Spitzen-wie kleine Stacheln zu spüren. Die lassen sich mit einen Pfannenreiniger, groben Edelstahlwolle, Spachtel, oder mit einen Metall-Schutzhandschuh aus der Metzgerei leicht abwischen. Wir haben z.B. in Travemünde das Problem mit Miesmuscheln. Da reichen wenn das Wasser mal wärmer ist, 3-5 Monate, auch da bilden sich Inseln auf dem Unterwasserschiff nach 3-5 Monaten wie auf dem Foto. Da kann noch Antifouling mit Trykresyphospahat das wir im Ecoship haben schützen. Ich schätze aber, dass auch der Wirkstoff in den nächsten Jahren von der EU verboten wird. Eine Lösung für das Problem ist nicht zu erwarten. Es besteht auch von den 9 Herstellern weltweit kein Interesse an der Spoertbootschifffahrt. Z.B. die nur die Jadewerft in Wilhelmshafen verarbeitet in einen Monat mehr Antifouling, als die ges. Sportbootschifffahrt Nord-Ostsee in 10 Jahren. Da gibt es einen Ansprechpartner, bei der Sportbootschifffahrt möchte jeder Skipper beraten werden, daher gibt es seit 20 Jahren das Forum wo die meisten Fragen mehrfach beantwortet wurden.

    Warum besonders am Ruder die Pocken sich konzentrieren ist kaum zu verstehen. Wie beschrieben, das Ruder ist Stahl, geschweißt. Es wäre möglich, dass sich in diesen Bereich und am Skegs Kriechströme bilden. Haben wir es dann noch mit Eisenoxid zu tun, dann wird das Antifouling neutralisiert und verliert seine Wirkung. Z.B. ein Stahlschiff als Nachbar das nicht entsprechend geschützt wurde, wird zur Belastung, das Kupfer(I)oxid löst sich auf. Es wäre durchaus möglich, wenn das Boot nicht mit dem Heck sondern mit dem Bug befestigt würde. dass sich der Zustand verbessert.

    Grüße Friedrich

    VC17m.jpg

  5. #5
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    Recht herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort. Sie haben zusammen mit einem Stichwort (Stahlschiff) und den Bildern für meine Situation einen möglichen Lösungsweg aufgezeigt. Seit dieser Saiason habe ich ein Stahlschiff als Nachbar. Ich werde mittels eine Zinkanode, die ich mittels Drahtseil am Ruderschaft befestigen kann, versuchen, eventuelle elektrolytische Ströme zu kompensieren. Ob es hilft, wir werden sehen.
    Nochmals Dank für Ihre bewundernswürdige Sorgfalt und Geduld.
    Grüße aus dem Miitelmeer Wailameer

  6. #6
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    Nachtrag zu meiner Frage bzw. Antworten von Herrn Friedrich:
    Den Versuch mit der Zinkanode habe ich gemacht. Die Ruderwelle hat eine feste metallische Verbindung mit dem Ruder und dem Skeg.Nachdem ich eine billige Anode mit einem VA-Drahtseil an der Ruderwelle verbunden habe, hat nach 4 Tagen die Anode deutliche Auflösungsspuren gezeigt. Die Zinkanode hing bei diesem Versuch ca 1,5 Meter unter Wasser in der Nähe des Ruderblattes. Zu Beginn des Versuches hatte ich mit einem Voltmeter eine Spannung von ca. 0.2 Volt und einen Strom von 300 Milliampere gemessen. Wo Eletrolyse funktioniert muss auch ein Strom vorhanden sein? Ich nehme an, dass dies auf den Einfluß meines Nachbarliegers, einem Stahlschiff, zurückzuführen ist.
    Da ich in den nächsten Monaten das Boot eh auf die Werft bringen muß, AF(Relest/Ecoship) und neue Rumpffarbe, habe ich noch eine Zusatzfrage: Nach längerer Standzeit ( ca. 3-4 Wochen) in der Werft habe ich immer wieder erlebt, das während des Auftrages des neuen AF blieben immer wieder alte AF-Reste an der Fellrolle kleben. Das war auch der Fall nachdem ich den Rumpf mit Stahlwolle abgerieben habe. Das AF nutzt sich natürlich am Rumpf unterschiedlich schnell oder langsam ab. Die Arbeit mit der Stahlwolle ist eine 'Strafarbeit'. Kann ich ein Abbeizmittel oder ähnliches verwenden, um wenig verbrauchte Stellen des Unterwasserschiffes von zu dicken Altschichten zu befreien?
    MFG Wailameer

  7. #7
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    HalloHerr Wailameer,
    der Primer Maine 470 Vinyl und unsere Antifoulings enthalten als Lösungsmittel Xylol. Der Grund ist, daß in der Regel die Boote etwas größer sind und um ein anschleifen zu vermeiden der Untergrund angelöst wird. Haben wir noch alte Antifoulingschichten unter dem Primer dann besteht immer auf Dauer das Risiko von Abplatzungen bis zum Gelcoat oder einer 2 K. Grundierung. Haben wir das Ablösen bei der Verarbeitung nur beim Antifouling, dann sollte einer einmal auf die Verarbeitungstemperaturen achten 16-23° max., zügig mit einer großen Fellrolle arbeiten und ein überollen des Anstriches vermeiden. Da oft Anwendungsbedingt eine bereits gestrichne Fläche nochmals überstrichen wird und der Untergrund sich bereits angelöst hat, kommt es zu solche Ablösungen und das angelöste Antifouling haftet auf der Fellrolle. Sollten Abplatzungen ausgebessert werden, dann geht das nur mit schleifen um die Übergänge zu glätten. Eine Beize würde ich nur empfehlen, wenn das ges. Schiff abgebeizt würde, aber nicht zum ausbessern da wir die Übergänge zu Altanstrichen nicht mehr überschichten dürfen.

    Das mit der Elektrolyse erleben wir öfters, verursacht durch alte Stahlschiffe oder verrostete Spundwände. Da hilft nur der Standortwechsel, denn das Kupfer(I)oxid wird durch die Elektrolyse verbraucht, so dass sich die Bewuchsschutzdauer erheblich verkürzen kann. Ähnliche Vorgänge haben wir in der Schleimündung, Lagunen St. Georgino, wo sich durch die Stahlkocher Eisenoxid im Schlamm angesammelt hat, oder extrem bei Thermalquellen, zB. Kalabrien, Liparische Inseln usw. wo wir immer es mit Schwefeldioxiden zu tun haben die das Kupferoxid vollständig auflösen. Wir müssen uns da ehrlich machen, die Seepocken, Miesmuscheln, Röhrenkalwürmer sind inzwischen imun was die Biuzide betrifft,100% gibt es nicht und wird zunehmend durch die EU-Biuzidverordnung verhindert.

    Grüße Friedrich

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