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Der Begriff "Osmose" wird im Zusammenhang mit den Schäden allgemein sprachlich falsch eingesetzt. Osmose ist ein physikalischer Vorgang. Die dadurch hervorgerufene "Bläschenkrankheit" oder "GFK-Pest" ist eine Schädigung des Laminats und somit keine Osmose. Also haben wir die Ursache (Osmose) und das Symptom (Bläschen) und später die Schädigung des Laminats. Die Ursachen sind heute weitgehend aufgeklärt, und man hat die Vermeidung der Schäden gelernt.

Geblieben sind das Problem des Erkennens und der Nachweis der "Osmose".

Die erste und sichere Feststellung ist das Bemerken der Bläschen am Unterwasserschiff, vornehmlich auf der nach Süden gelegenen Seite des Liegeplatzes der Jacht. Der geöffneten Blase entströmt oft ein leichter Essiggeruch. Die Bläschen sind meistens nur kurz nach dem Aufslippen zu sehen, sie können schon nach einigen Stunden besonders bei trockenem Wetter verschwunden sein. Es steht fest, dass alle mit Orthophthalsäureharze gebauten Boote im Laufe der Zeit eine Osmose-Schädigung bekommen. Das ist natürlich auch abhängig von der Fertigung. Ungenügend entlüftete Laminate sind anfälliger als gut gerollte, ungetemperte Rümpfe sind sehr gefährdet. Staton-Bevan [3] behauptet: "...dass von den inspizierten Booten (ca. 250/Jahr) bis 10 Jahre alten 35-40% von Blasen befallen waren, bei den 10-12jährigen klettert die Rate auf 70%." Die von mir untersuchten mehr als 15 Jahre alten mit Orthophthalsäureharz gebauten Rümpfe hatten alle eine Schädigung durch Osmose. Mir sind allerdings auch nachweislich mit Isophthalsäureharz gebaute 25 Jahre alte Rümpfe untergekommen, die einige Blasen aufwiesen. Der Hersteller dieser Boote war bekannt für Qualität und dass er alle Rümpfe temperte. Es ist so, dass kein Laminat dauerhaft über einen langen Zeitraum zu schützen ist. Von den Firmen BASF und Bayer wurden Großversuche gefahren und dabei stellte sich heraus, dass jedes Harz zu schädigen ist. Die Resultate lauteten, dass im Wasserbad bei +60° C nach:


Orthophthalsäureharz (Ortho): 150 - 200 Stunden Belastung
Isophthalsäureharz (Iso): 800 Stunden Belastung
Neopentylglycol (NPG): 2400 Stunden Belastung

Insgesamt übernimmt die Feinschicht eine wichtige Schutzfunktion. Aber das Harz der Feinschicht oder auch die ersten Lagen sind nur eine Dampfbremse und keine Verhinderung. Jede Feinschicht kann man als Netz betrachten, die Wassermoleküle wandern hindurch und suchen sich Hohlstellen im Laminat; die Schädigung beginnt. An den Glasfasern wandern die Moleküle entlang, sammeln sich und trennen Faser und Harz, der Verbund wird gelockert. Die Osmose beginnt theoretisch beim in's Wasser setzen, es dauert natürlich etwas bis zur tatsächlichen Diffusion. In den kühlen Gewässern des Nordens dauert es länger bis zum Beginn, in den warmen des Südens geht es schneller, noch gefährlicher ist 25° C warmes Süßwasser, z.B. in den flachen Bereichen des Bodensees.. Eine vollständige Durchnässung des Laminats ist möglich, und damit eine signifikante Schädigung. Die Biegefestigkeit kann bis zu 25% sich reduzieren. Damit ist der Verlust der Steifheit des Rumpfes verbunden, die Durchbiegung beim Anheben (mit Traveller slippen) nimmt zu. Man kann es manchmal feststellen, wenn große Fenster im Aufbau Risse bekommen, der Rumpf wird weich.

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3. Messgeräte