Ich werde immer wieder auf Produkte angesprochen ob diese mit unseren Produkten kompatibel sind. Auch wenn die Händler gefragt werden ob mit den oder den anderen Produkt überschichtet werden kann (darf), dann ist mit Ausnahme bei Silikon - Teflon - Nano immer die Antwort "Ja".

Natürlich lassen sich die meisten Beschichtungen überschichten, nur die Frage ist ob eine Mischbeschichtung sinnvoll ist, dann ist die Antwort ein klares "Nein".

Begründung, Beispiel eine Stahl-Yacht Unterwasserbereich:

Die erste Beschichtung ist eine kathodisches Zinkbeschichtung,

  • diese Beschichtung muss für den martimen Bereich ausgelegt sein, da Zink im Seewasser zur Zinkspaltung neigt und noch Antihafteigenschaften hat,
  • erfordert eine hohe Penetrierfähigkeit da Zinkstaub eine schlechte Haftung auf Stahl hat und die erforderlichen Rauigkeitswerte beim Strahlen oft nicht erzielt werden,
  • da nach dem strahlen und entfetten sich immer Flugrost bildet, muss der Flugrost neutralisiert werden, da Flugrost sofort wieder einen Antihaftgrund auf Stahl bildet,
  • die Trägerkomponente muss identisch sein zur Überschichtung, da unterschiedliche Trägerkomponenten immer eine unterschiedlich Oberflächenspannung haben,
  • da sehr oft im Freien gearbeitet wird, muss diese Beschichtung feuchtetolerant sein, eine Feuchtetoleranz bis zu 85% ist zwingend bei Zink und den weiteren Beschichtungsaufbau erforderlich,
  • da Stahl auch im Oberflächen-Gefüge Feuchte aufnimmt, muss trotzdem die Penetrierfähigkeit gegeben sein, es sollte daher immer eine Vorbehandlung mit Trychloräthylen erfolgen, wenn nicht erhältlich dann mit einem Acetonreiniger für Stahl bei dem die Verdunstung reduziert wurde,
  • da die Überschichtungszeiten meist nicht eingehalten werden können, müssen die Überarbeitungsintervalle entsprechend eingestellt werden, bei Zink sind 3 Monate erforderlich, können die Poxyde nicht innerhalb von 24 Stunden überschichtet werden, dann sind Epoxyde mit entsprechenden Überarbeitungsintervall von 90 Tagen erforderlich,
  • wird das Zink überschichtet, dann muss das Epoxyd die gleiche Oberflächenspannung haben, damit sich keine unterschiedliche Spannungen zwischen den Lagen bilden können,
  • die Trägerkomponente muss identisch zur Trägerkomponente Zinkstaub sein,
  • alle Beschichtungen härten chemisch und sind Lösungsmittelarm, werden nicht verdünnt, damit diese Spannungsfrei aushärten können, meidet jede 2 Komp. Beschichtung die mit Verdünnung oder Lösungsmittel reagieren, hochwertige Beschichtungen enthalten kaum Lösungsmittel, härten auch immer chemisch durch einen exothermen Reduktionsprozess,
  • auch das PVC-Vinyl und sogar das Antifouling hat bei uns die gleiche Trägerkomponente, so dass keinerlei Spannungen zwischen den Beschichtungslagen auch nicht beim Antifouling erfolgen kann.
  • damit lösen sich solche Beschichtungen nicht vom Untergrund, platzen auch nicht in Lagen ab, so wie es immer bei Mischbeschichtungen passieren wird.


Bei der Ausführung solcher arbeiten sollte immer einer einkalkulieren, dass der Arbeitsablauf auf Grund der Witterung oder anderen Gründen unterbrochen werden muss. Daher kann z.B. ein Teerepoxyd nicht immer verwendet werden, da es innerhalb von 24 Stunden überschichtet werden muss. Dafür werden z.B. Multicolore verwendet. In besonderen Feuchtbereichen wie z.B. unter einem Teakdeck werden zusätzlich Sperrbeschichtungen mit Hämatit beschichtet. Wird im Überwasserbereich beschichtet, dann ist für die PU-Acrylbeschichtung eine Schlagfeste - schleifbare Epoxydbeschichtung erforderlich. Da diese Beschichtungen eine geringere Feuchtedichte haben, erfolgt darunter zwischen Zink und der Barriere eine Eisenglimmerbeschichtung. Der Beschichtungsaufbau ist damit identisch wie bei der deutschen Bundesbahn den ICE-Zügen und hat eine Standzeit von mehr als 15 Jahren. Eine Stahl-Yacht ist nun mal kein Gartentoor, wo dann einer meint das Problem mit ein bisschen Rostschutzfarbe zu lösen. Solche Wunder gibt es nur in den zahlreichen Boote - Segel - Yachtforen, die Industrie ist leider noch nicht so weit.

Auch in der Industrie kann auf Grund der Größe der Yachten meist nicht getempert werden. Die einzelnen Beschichtungen müssen daher immer spannungsfrei aushärten können. Es macht zum Beispiel keinen Sinn, den gleichen hochwertigen PU-Lack wie die Firma Wrede zu spritzen, wenn nicht bei 50°C eine Wärmebehandlung erfolgt. Wird getempert, dann können meist unterschiedliche Trägerkomponenten verwendet werden. Für den Privatanwender gehen daher solche Anwendungen meist in die Hose, da einer in der Regel weder die Temperatur - die Verarbeitungsluftfeuchte - und auch ein spannungsfreies aushärten kaum ermöglichen kann.

Im Stahl - Alu - GFK Beschichtungsbereich haben wir es immer mit mehreren Beschichtungen zu tun die im System angewendet werden. Es ist daher zwingend erforderlich, dass alle Beschichtungen aufeinander abgestimmt werden. Wen sich Beschichtungen untereinander lösen, dann haben wir es immer mit unterschiedlichen Lösungsmitteln oder Trägerkomponenten zu tun. Damit haben wir immer eine unterschiedliche Spannung in der Beschichtung und es erfolgt immer nach einiger Zeit eine Trennung oder Ablösung der Beschichtungen. Daher kann mit unterschiedlichen Beschichtungen überschichtet werden, aber es ist wie für jedem einleuchtend, dass es nicht sinnvoll ist.

Auch bei 2 Komp. Systemen die mit 1 Komp. überschichtet werden, muss die Spannung gleich sein. Wir unterscheiden dabei zwischen einer 2 Komp. nicht erneuerbaren - und einer 1 Komp. erneuerbaren Beschichtung. Die erneuerbaren Beschichtungen können mit Lösungsmittel- oder Laugenbeizen beseitigt werden ohne das die nicht erneuerbare Beschichtung beschädigt werden. Das macht auch Sinn, sonst müsste jedes mal z.B. bei einer Stahl-Yacht der ges. Beschichtungsaufbau bis zum Zink erneuert werden, dazu müsste noch jedes mal neu gestrahlt werden. Auch bei einer GFK-Yacht macht das Sinn, daher verwenden wir immer ein System dass die Eigenschaften von Epoxyd- Beschichtungen erhalten werden. Auch da wird nur der 1 Komp. Bereich wenn erforderlich ausgetauscht. Werden die 2 Komp. Epoxyd- Systeme nicht geschützt, dann verspröden - ionisieren - kreiden solche Beschichtungen und verlieren nach einigen Jahren Ihre Eigenschaften. Werden dann solche Systeme erneuert, dann wird unweigerlich der Gelcoat mit beschädigt. Eine solche Technik wie diese bei der Sportbootschifffahrt von vielen angewendet wird und den osmotischen Schadensprozess unterstützt, kann sich keine Industrie leisten.
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