Grundsätzlich sollten bei fachlichen Berichten auch die richtigen Worte benutzt werden. Viele Skipper sprechen über die Osmose und meinen in Wirklichkeit etwas anderes.

Lest mal Wikipedia:

"Als Osmose (= "Eindringen, Stoß, Schub, Antrieb") wird in den Naturwissenschaften der gerichtete Fluss von Molekülen durch eine semipermeable Membrane bezeichnet."

Wenn also einer seine Yacht als osmosefrei bezeichnet oder verkauft, dann heißt das: Frei von Eindringen, Stoß, Schub und Antrieb. Erzählt mal einem Richter im Gewährleistungsfall, dass ihr beim Kauf der Yacht schriftlich vereinbart habt:

"Frei vom gerichteten Fluss von Molekülen durch eine semipermeable Membrane."

Wenn ich von Osmose schreibe, dann schreibe ich über den osmotischen Diffusionsprozess in Polymeren Strukturverbindungen, da reden wir über die statische Mechanik, statische Physik, statische Thermodynamik und physikalische Chemie.

OSMOSE - PROPHYLAXE

Wie bereits beschrieben, ist die Osmose bei einem GFK-Boot allgegenwärtig und lässt sich auf Dauer nicht vermeiden, nur reduzieren. Eine Osmoseprophylaxe bedeutet, das Eindringen der Feuchte über den Gelcoat so weit wie möglich zu reduzieren. Dass eine Reduzierung mit einem Epoxyd kaum möglich ist wurde bereits beschrieben. Besonders dann, wenn noch Epoxyde verwendet werden die bei 40°C für 15 Stunden getempert werden müssen.

Unter einer Osmoseprophylaxe verstehen wir eine Vorsorge, damit der Gelcoat (Vinylesterharz mit Neopentylglykol) seine Eigenschaften beibehält und nicht verändert. Eine Gelcoatverstärkung wie viele meinen ist keine Vorsorge, sondern eine Schwächung des Gelcoat da die Feuchtedichte nun mal durch die Materialdichte und nicht durch die Materialdicke bestimmt werden.

Prophylaxe bei einem neuen Boot:

1. Unterwasserschiff 2-3 mal mit Aceton reinigen um die Parafine zu beseitigen

2. Versiegelung des Gelcoats mit einer zusätzlichen Feuchtesperre

3. Verwendung eines Bewuchsschutzes

Zu 1.:
Die Parafine auf dem Gelcoat sind ein Trennmittel, das bei der Herstellung der Formgebung verwendet wird. Dieses Trennmittel muss vor dem Überschichten vollständig beseitigt werden. Dies geschieht am besten mit Aceton. Dabei ist zu beachten, dass es sich um ein Aceton handelt, in dem keine rückfettenden enthalten sind. Besser wäre ein Trychloräthylen, was aber für den Privatanwender kaum noch erhältlich ist.

Zu 2.:
Die Versiegelung des Gelcoat erfolgt mit PVC-Vinyl, das eine sehr hohe Feuchtesperre bildet, das kaum ionisiert. Epoxyde wie Gelshield oder VCTar2 usw. sind eine schlagfeste Beschichtung aber keine Feuchtesperre, da Sie selbst ohne Schutz ionisieren und auch erodieren. Erschwerend bei diesen Beschichtungen ist bei mehreren Lagen, dass ohne einer Temperung bei 40°C – 15 Stunden die Eigenschaften sich erheblich reduzieren, Spannungen aufgebaut werden und der darunter liegende Gelcoat reissen kann. Wenn also Epoxyde erforderlich sein sollten, dann Epoxyde die nicht getempert werden müssen und spannungsfrei chemisch härten.

Zu 3.:
Bei einen Bewuchsschutz sollte immer ein maximaler Bewuchsschutz mit maximaler Bewuchsschutzdauer gewählt werden. Was nützt es, wenn das Unterwasserschiff wird mit mehreren tausend Microorganismen besiedelt, nur weil man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Wichtig dabei ist, dass es ein SPC–Antifouling ist, selbstabschleifend, nicht microporös, das ohne Anschleifen überschichtet werden kann.


Prophylaxe bei älteren Booten mit evt. beschädigtem Gelcoat:


Bei ältern Booten, bei denen der Gelcoat nicht durch eine Versiegelung geschützt wurde, beginnt er Gelcoat zu kreiden. Es bilden sich feinste Haarrisse, die auch als eine Risskorosion bezeichnet werden und mit dem bloßen Auge kaum sichtbar sind. Durch Ionisierung und Erosion verliert der Gelcoat seine Eigenschaften, sodass er weder als Feuchtesperre, noch als schlagfeste Beschichtung die Anforderungen erfüllt. Für eine neue schlagfeste Beschichtung werden 2 Komp. Epoxyde verwendet, die sich auch in ihren Eigenschaften erheblich unterscheiden. Da in den meisten Fällen die Boote eine gewisse Größe haben, ist ein Tempern bei 40°C für 15 Stunden oft nicht möglich. Damit scheiden Epoxyde mit Kalk- oder Quarzpigmentierung aus. Des weiteren sollte ein Epoxyd besonders auf dem Unterwasserschiff eine Elastizität von min. 4,6% erzielen und noch eine möglichst hohe Feuchtedichte besitzen. Diese Eigenschaften haben nur die benzo(a)pyrenfreien 2 Komp. Teerepoxyde die inzwischen nicht mehr hergestellt werden oder die 2 Komp. Reinepoxyde - Multicoat- Systeme. Die Trockenschichtstärke sollte dabei ca. 0,3 mm betragen.

Wenn alle Farbschichten entfernt wurden, ist ein leichtes Anschleifen des Gelcoats nicht zu verhindern. Zwingend erforderlich ist anschließend die gleiche Entfettung wie bei einem neuen Boot. Darauf folgen dann 2-3 Lagen Multicoat. Wichtig bei der Verarbeitung von Epoxyden ist immer die Temperatur, die ca. 16-23°C betragen soll und auch der Taupunkt. Die Luftfeuchte sollte nicht über 75% liegen. Mancher glaubt, wenn er in einer Halle streicht, sei sein Boot trocken. Dies ist aber oft nicht zutreffend. Kühle Nachttemperaturen, das Boot kühlt ab. Dann starke Sonneneinstrahlung auf die Bootshalle, die Halle heizt sich sehr schnell auf, das Boot ist aber noch kühl von den Nachttemperaturen. Somit bildet sicht Kondesfeuchte auf dem Boot und es streicht einer ein nasses Boot. Also Vorsicht, oft ist es besser im Freien die Arbeiten durchzuführen, als in einer Bootshalle.

Nach dem Aushärten der Epoxyde werden diese wie bei einem neuen Boot das Epoxid mit PVC versiegelt und darauf kommt dann das Antifouling. Sollte es dabei nach einigen Jahren auch bei den SPC´s zu einer Schichtstärkenanreicherung kommen, dann wird nicht geschliffen und gekratzt, sondern die 1 Komp. Beschichtungen PVC und AF werden mit einer wasserlöslichen Beize abgebeizt, damit die darunterliegende Epoxydschicht nicht beschädigt wird.

Nach dem Abbeizen wird immer neutralisiert, der Wasserpass mit Aceton gereinigt und dann wieder PVC-Vinyl und Antifouling. Bei dieser Vorgehensweise hat kaum einer Aplikationsprobleme. Es sind auch keine Aplikationsschäden zu befürchten.

Grundsätzlich sollte immer vor einer Beschichtung der Feuchtewert im Laminat bestimmt werden. Bei einem Wert von mehr als 2,5% wird immer Feuchte im Laminat eingeschlossen und der osmotische Prozess erfolgt weiter unter der Beschichtung.


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