Schlagworte:
Biofilm, Bakterien, Mikroorganismen, Lochkorrosion, Spaltkorrosion, Spannungsrisskorrosion, Muldenkorrosion, mikrobiologische Korrosion

Erscheinungsform:
Vor allem in stagnierenden oder langsam fließenden, biozidfreien Wässern können bei nicht zu hohen Temperaturen Mikroorganismen an der vom Wasser berührten Werkstoffoberfläche haften. Durch Wachstum und Vermehrung kommt es dabei über einzelne Ansiedlungen zur Bildung eines primären Films bis zu einem makroskopischen Bewuchs. Ähnliche Vorgänge können auch in Erdböden ablaufen.

Im Prinzip können alle Werkstoffe durch mikrobiologische Vorgänge geschädigt werden. Die Erscheinungsformen sind daher derart vielfältig, so dass spezifische Formen nicht angegeben werden können. Beschränkt auf metallische Werkstoffe kann im wesentlichen Flächenkorro%sion, Loch- und Muldenkorrosion, Spaltkorrosion, aber unter gewissen Umständen auch Span%nungsrisskorrosion beobachtet werden.

Mechanismus:
Die mikrobiologisch induzierte Korrosion beruht nicht auf der direkten Wechselwirkung von Bakterien und/oder Pilzen mit dem Metall, sondern auf der Wirkung von Produkten des Stoff%wechsels der Mikroorganismen auf die einzelnen Schritte des Korrosionsprozesses. Da diese unter wässrigen Bedingungen bei Metallen immer elektrochemischer Natur sind, geht es letztlich um die Beeinflussung des anodischen oder des kathodischen Teilschritts der Gesamtreaktion.

Einflussgrößen:
Die Aktivität der Mikroorganismen in Wässern nimmt mit ansteigendem Nährstoffgehalt, anstei%gender Wassertemperatur (bis zu einem gewissen Grad) sowie abnehmender Fließgeschwin%digkeit zu. Zunehmender Sauerstoffgehalt fördert das Wachstum aerob aktiver Mikroorganis%men, abnehmender Sauerstoffgehalt entsprechend das von anaerob aktiven Mikroorganismen.

Konstruktive und fertigungstechnische Maßnahmen:
Wenn der Einfluss von Mikroorganismen auf das Korrosionsgeschehen mediumseitig nicht beherrschbar ist, so muss auf edlere Werkstoffe zurückgegriffen werden, die im System auf die auslösbaren Korrosionsarten immun sind. Die Wahl von Metallen mit „bakteriziden“ Eigenschaf%ten (z. B. Kupfer und Silber; sofern möglich) stellt ebenfalls einen Lösungsansatz dar, wobei der Erfolg nicht immer gesichert ist, weil selbst diese Metalle unter ungünstigen Bedingungen mit einem mikrobiologischen Film belegt werden können, wie einzelne Schadensfälle zeigen. An%aerobe Fäulnisprozesse, die z. B. zu NH3-Bildung führen, können bei Kupfer zu Spannungs%risskorrosionsbildung führen.

Mediumseitig kann der Einsatz eines geeigneten Biozids das Wachstum von Mikroorganismen und die damit zusammenhängenden Korrosionserscheinungen verhindern. Es ist aber darauf zu achten, dass das eingesetzte Biozid selbst nicht als korrosives Medium aktiviert wird. Eine Erhöhung der Fließgeschwindigkeit trägt ebenfalls zu Verhinderung des Aufwachsens von Bio%filmen bei. Mikrobiologisch induzierte Korrosion wird häufig in mit Flusswasser betriebenen Wärmetauscher beobachtet. Um hier der Bildung eines Biofilms, der auch auf die Kühlwirkung des Apparates einen ungünstigen Einfluss hat, entgegenzuwirken, empfiehlt es sich bei Röhren%wärmetauschern das Kühlwasser durch die Rohre zu leiten. Dies hat auch den Vorteil einer vereinfachten Abreinigung, wenn sich dennoch ein Biofilm gebildet hat.

Häufige Schäden:
Schäden können überall da auftreten, wo die Lebensbedingungen für Mikroorganismen günstig sind. Erwähnt seien hier Rohrleitungen, Kühlkreisläufe, Kühltürme, Wasser- und Öltanks sowie Einrichtungen der Offshore Öl- und Gasgewinnung.